| Reiserechner |
| von Marc Christiansen |
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Reiseinformationen aus dem Computer - so hiess es im ersten Prospekt zur Vorstellung des neuen Bordcomputers von Daimler-Benz - dem Reiserechner. Premiere hatte er im September 1983 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Zunächst wurde der Reiserechner nur für die V8-Modelle angeboten und ab Anfang 1984 geliefert - zu einem späteren Zeitpunkt auch für den 280 SE/SEL. Doch bis hierhin war es ein weiter Weg! Als der W126 auf der IAA 1979 der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde war gerade einmal das Anti-Blockier-System (ABS) seit einem guten Jahr auf dem Markt und wurde für die Vorgängerbaureihe gegen Aufpreis geliefert.
Elektronik war im Auto bisher nur für Einspritz- oder bei Zündsystemen bekannt. Dies änderte sich mit der neuen S-Klasse Schlagartig - er war voll von elektronischen Helfern - so etwas gab es bis dato in keinem Automobil.
Es gab zwar schon in Ansätzen kleine elektronische Helfer im Porsche 911 Turbo und auch in den frisch renovierten BMW 7er Modellen des Typs e23, aber der W126 hatte hier die Nase vorn.
In einem Sonderprospekt zur IAA 1979 wurde erstmals - neben der neuen und reichhaltigen Elektronik bei Mercedes - auch der Reiserechner erwähnt. An Geräten zur Darstellung elektronisch ermittelten Fahrerinformationen, sowie exakten Verbrauchsmeßgeräten wird derzeit gearbeitet hiess es.
Heute wird ja sehr gerne darüber philosophiert wie viele elektronischer "Schnickschnack" in modernen Fahrzeug verbaut würde. Aber dieses Problem - sofern man es so nennen möchte - ist in Wahrheit gar kein neues, vielmehr ist es schon 30 Jahre alt!
Die nächste Erwähnung erhielt der Reiserechner in einem Sonderprospekt zur IAA 1981 - hier ging es zwar hauptsächlich um die neuen großen Coupés 380 und 500SEC - aber es wurde auch aus der Forschungsarbeit bei Daimler-Benz berichtet und erstmals auch ein Photo eines Reisrechner-Prototypen gezeigt.
Auch ist hier erstmals die Rede von einem universellen Fahrer-Informationssystem - etwas was wirklich diese Bezeichnung verdiente gab es erstmals mit Einführung der aktuellen S-Klasse W221.
Ebenfalls wird erstmals ein Wartungsrechner erwähnt - im Grunde eine Vorstufe des heute gängigen Assyst Wartungssystems moderner Mercedes-Fahrzeuge - nur rund 20 Jahre früher!
![]() Hierzu können Sie auch noch mehr unter der Rubrik "Forschung mit dem W126" erfahren!
Interessant bei dem gezeigten Reiserechner-Prototypen ist dass der Drehzahlmesser hierbei noch unten im linken Instrument platziert wurde und die Skala genau entgegengesetzt läuft wie es tatsächlich später der Fall gewesen und bei Mercedes-Fahrzeugen sonst üblich ist. Auch war die digitale Darstellung der Menüpunktauswahl des Reiserechnerdisplays noch wenig ansprechend und stellt die Auswahlpfeile schlicht andersherum dar wie es später in der Serienausführung der Fall war. Eine Uhr gab es ebenfalls nicht!
![]() Das Reiserechnerdisplay ist eine hochkomplexe Technik die mittels Microprozessor und Flüssigkristalle auf Tastendruck den gewünschten Wert anzeigt und auch per Pfeilsimulation anzeigt was gerade dargestellt wird.
Kurze Zeit später wurde dann von der Presseabteilung ein weiteres Entwicklungsstadium des Reiserechners als offizielles Pressebild herausgegeben - man erkennt schon den seriennahen Charakter:
Jedoch erkennt man auch hier noch einige Abweichungen vom späteren Serienstand - wie z.B. die schon erkennbaren Warnleuchten für Scheibenwaschwasser-, Kühlwasser- und Motorölstand. Diese Symbole gingen so nie in Serie und zeugen non vom Vorserienstand. Hochinteressant sind die beiden Symbole ganz rechts - "Ausrufezeichen"! Sie waren vermutlich Bestandteil einer ersten Fehlerdiagnose.
Abgeschlossen waren die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erst im Jahre 1983 - im Sonderprospekt zur IAA 1983 stand zwar eigentlich nur der "Senna-Wagen", der neue Sport-Mercedes 190E 2.3-16, aber es wurde auch die Serienausführung des Reiserechners dem Kunden präsentiert.
![]() Seinerzeit suchte man etwas ähnliches Weltweit vergebens - es gab lediglich Verbrauchstendenzanzeigen wie z.B. die Economy-Anzeige bei Mercedes-Fahrzeugen, aber auch diese nur in ähnlich teuren Konkurrenz-Modellen.
Heute ist ein Bordcomputer - also eine Art abgespeckter Reiserechner - in vielen Modellen namhafter Automobilproduzenten serienmässig und auch Daimler verkauft seine heutigen Fahrzeuge alle serienmässig mit einem Reiserechner.
Jedoch muss man dabei immer bedenken dass diese Geräte nicht das alles anzuzeigen vermögen was der "Opa" bereits konnte - hier als Beispiel sei nur die Darstellung der errechneten Ankunftszeit am Zielort zu nennen, die nach kurzer Eingabe der Fahrstrecke jederzeit präzise angezeigt wurde.
Heute übernimmt diese Funktion ein Navigationsgerät - aber ein solches gab es in den 1980er Jahren nicht. Umso spannender ist es, dass der Reiserechner schon damals den Fahrer u.a. mit eben einer solchen Funktion versorgte. Auch konnte man eine realistische Wunsch-Ankunftszeit einspeichern und der Reiserechner zeigte einem die dafür notwendige Durchschnittsgeschwindigkeit an, die gefahren werden muss um seinen Ankunftswunsch einzuhalten - diese Durchschnittsgeschwindigkeit konnte man dann mit der tatsächlichen vergleichen und so aktiv seinen Fahrstil anpassen. In einer Zeit ohne Mobiltelefone oder Navigationssysteme eine wirkliche sinnvolle Erleichterung des Fahrers, weiss er so doch relativ genau wann er am Zielort eintreffen würde.
Ab Einführung der 2.Serie wurde der Reiserechner für alle W126 Typen geliefert und kurz darauf auch für den 260E und 300E der seinerzeit neuen mittleren Baureihe W124, sowie für alle SL-Typen der Baureihe R107.
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1985er-Optik beinahe schon 1979: aus Sicht der Designabteilung sollte der W126 von Anfang an mit glatten Kunststoff-Planken ringsum und Leichtmetallfelgen in moderner Optik (später als "Kanaldeckel" tituliert) ausgestattet werden. Der Vorstand fürchtete jedoch einen allzu großen Kontinuitätsbruch, daher trug der 126er für die ersten 5 Jahre zunächst noch die "Barockfelgen" des Vorgängers W116 und geriffelte Türverkleidungen nach Vorbild der gekerbten Karosserieflanken des R107 |