| Forschung mit dem W126 |
| von Marc Christiansen |
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Der W126 hat eine gewisse "Sturm und Drang" Zeit des Automobilbaus miterlebt und auch aktiv mitgestaltet. Als er Ende 1979 auf den Markt kam war er schon ein recht ausgereiftes und modernes Fahrzeug, doch die Entwicklung stoppte natürlich nicht! Vielmehr galt es das Automobil fit für die Zukunft zu machen - mit Beginn der 1980er Jahre hatte man bei Daimler-Benz fest den Jahrtausend-Wechsel im Blick und wollte natürlich auch in Zukunft die Mobilität der Kundschaft sichern! Das Auto 2000Das erste Projekt dass maßgeblich auf der Baureihe 126 aufbaute, war im Jahre 1981 das "Auto 2000" genannte Forschungsauto dessen Entwicklung vom Bundesministerium für Forschung und Technologie unterstützt wurde. Sparsam und abgasarm in die Zukunft - dies war der Leitspruch des ehrgeizigen Projekts das mit 110 Millionen Mark vom Forschungsministerium unterstützt wurde (auf alle beteiligten Fahrzeughersteller verteilt!). Es wurden gleich zwei neue Motorenkonzepte im Forschungs-PKW erprobt - gemein hatten sie nur die Nennleistung von 110kW/150PS, die man seinerzeit als ausreichend bezeichnete - der strömungsgünstigen Karosserie (Cw-Wert 0,28) sei Dank. Daimler-Benz hatte drei verschiedene Antriebskonzepte für das Auto 2000 erdacht: zum einen den noch relativ neuen 5,0-l Leichtmetall-V8 Motor, hier jedoch kombiniert mit einer Zylinderabschaltung und einem neuartigen Niedrigleerlaufkonzept ergänzt (letzteres wurde Ende 1981 als "Energiekonzept" auch bei den Serien-PKW eingeführt). Darüber hinaus gab es noch einen völlig neu konstruierten V6-Turbodieselmotor mit Registeraufladung und als dritte Variante war sogar eine Gasturbine im Versuch.
Die Motorhaube war aus einem recht pragmatischen Grund auf der Fahrerseite angeschlagen: sie sollte den Vorbau beim versetzten Frontalaufprall weiter stabilisieren!
Die technischen Merkmale des Auto 2000 lesen sich wie folgt:
Auch Kinderschutzeinrichtungen wurden in dem Forschungsauto überprüft:
Der Innenraum war natürlich auch sehr vom Ausgangsmodell W126 geprägt. Hatte aber freilich mit dem nur noch wenig zu tun - auch wenn man es nicht gleich auf den ersten Blick zu erkennen vermag, das Auto 2000 war voll von "High-tech" der erst Jahrzehnte später Serienstand sein sollte!
Elektronischer Atlas (Navigation)Eines der ersten Navigationsgeräte welche überhaupt in einem Automobil getestet wurden gab es auch im W126 - seine Anmutung ist für heutige Verhältnisse durchaus als skurril zu bezeichnen: Es ist leider nicht weiter bekannt auf welcher technischen Basis dieses Navigationsgerät gearbeitet hat. Bekannt ist nur dass es mit Hilfe der Raddrehzahlsensoren und gespeicherten Daten eine zuvor grob eingegebene Strecke anzeigen und verarbeiten konnte und auch die ARI-Signale (Vorläufer von RDS und TMC) teilweise verarbeiten konnten.
Hier noch eine Aufnahme aus dem Jahr 1983!
Der FahrsimulatorIm Jahre 1985 hat die Daimler-Benz AG ein weiteres nahezu einmaliges Forschungssystem in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um den im Westen des seinerzeit noch geteilten Berlins aufgebauten "Daimler-Benz Fahrsimulator".
Der Fahrsimulator war etwas einmaliges - im Grunde eine Platte auf die ein Fahrzeug geschnallt wurde, welches dann von Hydraulik-Armen in dynamische Bewegungen versetzt werden konnte so dass im Innern des Fahrzeugs der Eindruck einer normalen Autofahrt bei den Probanden aufkam. Um das Fahrzeug herum wurde eine 360° Leinwand mit Rundumprojiezierung gebaut - dadurch konnte eine Simulation der Wirklichkeit abgespielt werden und so ein sehr realistischer Eindruck vermittelt werden - man muss bedenken das alles in einer Zeit in der Niemand einen Computer zuhause stehen hatte!
Durch verschiedenartige Servoaggregate wurde der Testperson im Innern des Fahrzeugs eine wirklich sehr reale Simulation ermöglicht. Immerhin mussten die Instrumente, die Lenkung, die Pedalanlage - einfach alles in dem Maße funktionieren und gleiche Rückmeldungen geben wie bei einem normalen, fahrfertigen Auto auch.
Sinn und Zweck war dass man mit Hilfe des Fahrsimulators sehr einfach verschiedene Fahrer in exakt gleichen Situationen "testen" konnte. Wie man weiss sieht jeder Mensch eine Situation ein wenig anders und daraus resultiert dann auch verschiedenes Verhalten. Eine seit Jahren schon in Mercedes-Benz Fahrzeugen serienmässige Einrichtung wurde z.B. u.a. mit Hilfe des Fahrsimulators entwickelt - der Bremsassistent BAS. Alternative AntriebeFundierte Forschung: Die Mercedes-Benz Flotte Anfang der 1980er Jahre war bestückt mit alternativen Antrieben, zum Beispiel auf Basis von Flüssiggas, Methanol und auch Wasserstoff - hieran nahm selbstverständlich auch die S-Klasse teil.
Aktives FahrwerkIm W126 wurde auch schon ein vollaktives Fahrwerk getestet - erste Versuche wurden Mitte der 1980er Jahre unternommen. Dabei handelte es sich einst um einen Forschungsauftrag. Das ehrgeizige Projekt hörte auf den Namen AKTAKON (Aktive Aufbau-Kontrolle) welches am 02.Februar 1978 durch Vorlage einer ersten Konstruktionsskizze eines aktiven Federbeins gestartet worden war.
Wie auch bei heute üblichen Systemen (hier ist nach wie vor Daimler der Spitzenreiter was die Perfektion eines solchen Systems angeht) geht es hier hauptsächlich darum Wank-, Nick- und Gierbewegungen des Aufbaus zu eliminieren bzw. soweit abzuschwächen dass sie nicht mehr als störend empfunden werden und keinen negativen Einfluss mehr auf das Fahrverhalten des Fahrzeugs haben können. Jeder kennt selbst das Problem - sobald sich der Wagenaufbau in schnellen Kurven stark neigt, bekommen die Passagiere ein Gefühl der Unsicherheit und verhalten sich mitunter eventuell auch anders als sie es müssten. Je weniger Seitenneigung, desto höhere Kurvengeschwindigkeiten sind erzielbar bzw. das Gefühl der Sicherheit bleibt erhalten.
Es ist nicht im Detail bekannt über welche Ausbaustufen das Fahrwerk verfügte - belegt ist nur das im W126 die Geburtsstunde des aktiven Fahrwerks lag. Erstmals serienmässig verbaut wurde das aktive Fahrwerk dann 1999 im Mercedes CL (C215) in Form der Active Body Control (ABC). SolarzellenschiebedachIm Jahre 1989 zum Beispiel hat Daimler-Benz schon ein mit Solarzellen bestücktes Schiebedach im W126 getestet. Es wurde an Stelle des normalen Stahlschiebehebedachs verbaut und war u.a. für den Betrieb einer Standlüftung vorgesehen. Leider wurde diese Entwicklung scheinbar nicht konsequent genug weiterverfolgt - jedenfalls war es die Audi AG die diese Entwicklung als Sonderoption rund 10 Jahre später in ihrem Oberklasse Modell A8 angeboten hat. Aber wer es erfunden hat und in welchem Auto es zuerst getestet wurde, das zählt!
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1. wqwtukli Kommentare (2)
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Skurril und eindrucksvoll!
Die Bilder vom Fahrsimulator sind echte Juwelen! Genau so habe ich mir die Erforschung/Erprobung vorgestellt, aber nicht geahnt, daß man in den Achtzigern in Stuttgart TATSÄCHLICH schon so weit war. Aber wenn man weiter unten in Deinem Artikel wiederum ein Aktivfahrwerk im Einsatz sehen kann - 10 Jahre vor dem tatsächlichen Marktstart als "Active Body Control" - verwundert es nicht weiter. Chapeau!
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Mier fiel noch ein, daß das "Solardach" durchaus weiterverfolgt wurde. Und zwar hatte ja witzigerweise der W211 während seiner ersten beiden Modelljahr Photovoltaik auf dem Dach, um damit im Sommer u.a. die Lüftung betreiben zu können. Es wäre interessant zu erfahren, warum das dann klammheimlich aus der Ausstattungsliste genommen und auch bei keinem anderen Modell mehr angeboten wurde. Vielleicht zu fehleranfällig? |